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Gesundheit & Kosmetik

Mit 67 Jahren neu durchstarten: Ausbildung zur Ordinationsassistenz

Ein Kindheitstraum, eine Ärztin als Tochter und eine Ausbildung, die beweist: Lernen kennt kein Alter. Wir haben mit Cornelia Toth über Ihre Motivation gesprochen, mit 67 Jahren die Ausbildung zur Ordinationsassistenz am WIFI Kärnten zu absolvieren. 

WIFI Kärnten: Frau Toth, Sie haben mit 67 Jahren die Ausbildung zur Ordinationsassistenz mit Auszeichnung abgeschlossen. Wie ist es dazu gekommen?

Cornelia Toth: Das hat seinen Ursprung in einem Kindheitstraum. Ich wollte schon immer Säuglingsschwester werden, doch das war in meiner Familie schlicht nicht vorgesehen. Wir drei Schwestern sind alle in die Hotelfachschule gegangen, das war damals so. Dieser Wunsch hat mich jedoch nie wirklich losgelassen. Als meine Tochter dann Ärztin wurde – sie befindet sich aktuell in der Facharztausbildung zur Allgemeinchirurgin am Krankenhaus St. Veit – hat sich das Interesse ganz neu entfacht. Ich habe im Internet recherchiert, bin auf die Ausbildung zur Ordinationsassistentin gestoßen und habe beschlossen, einfach einmal den Informationsabend zu besuchen. Manchmal braucht es gar nicht mehr als diesen ersten Schritt.

WIFI Kärnten: Und wie haben Sie die Reaktion am WIFI Kärnten erlebt? Hatten Sie Bedenken, ob Sie als Pensionistin willkommen sind?

Cornelia Toth: Das war durchaus ein Gedanke, der mich beschäftigt hat. Das WIFI Kärnten ist schließlich ein Wirtschaftsförderungsinstitut. Ich war gespannt, wie man auf eine Pensionistin in diesem Rahmen reagieren würde. Doch das WIFI Kärnten hat mich von Anfang an offen und herzlich empfangen. Die Haltung war klar: Lernen lässt sich auf jede Lebensphase abbilden, und das Alter ist kein Hindernis, sondern mitunter sogar ein Vorzug. Das hat mir großen Auftrieb gegeben.

WIFI Kärnten: 325 Stunden Praktikum – das klingt nach einem ernsthaften Engagement. Wie war das für Sie?

Cornelia Toth: Es war intensiv, aber in jeder Hinsicht bereichernd. Den Großteil – 245 Stunden – habe ich in einer gynäkologischen Praxis absolviert, wo ich auch bei kleineren Eingriffen assistieren durfte. Den verbleibenden Teil habe ich bewusst in einem Krankenhaus gesucht, weil mir das vollständige Bild wichtig war. Dort durfte ich Blutabnahmen durchführen, EKGs anlegen und hatte echten, unmittelbaren Patientenkontakt. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie erfüllend dieser Beruf sein kann.

WIFI Kärnten: Gab es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Cornelia Toth: (lacht) Den gibt es, ja und der sitzt bis heute. Im praktischen Unterricht haben wir die venöse Blutabnahme geübt, zunächst gegenseitig unter den Teilnehmerinnen. Zum Abschluss setzte sich der Trainer selbst hin, breitete beide Arme aus und bot sich als Übungsperson an. Es herrschte eine merkwürdige Stille im Raum, niemand meldete sich. In diesem Moment dachte ich mir: Wenn sich niemand traut, dann muss ich eben. Am linken Arm lief es nicht ganz nach Plan, aber am rechten klappte es hervorragend. Für mich war das weit mehr als eine Übung. Es war der Moment, in dem ich eine lange gehegte innere Schranke überwunden habe.

WIFI Kärnten: Haben Sie das Gefühl, dass die Lebenserfahrung in so einem Moment hilft?

Cornelia Toth: Davon bin ich überzeugt. Mit den Jahren entwickelt man ein Gespür dafür, welchen Wert Möglichkeiten haben, die sich einem bieten. Man weiß, dass man sie nicht als selbstverständlich nehmen darf. Diese Haltung hat mir auch durch die anspruchsvolleren Momente der Ausbildung geholfen.

WIFI Kärnten: Sie haben die kommissionelle Abschlussprüfung mit einem hervorragenden Ergebnis abgelegt. Wie stolz sind Sie?

Cornelia Toth: Mit aufrichtigem Stolz, aber nicht nur wegen des abgeschlossenen Zeugnisses. Ich bin mit einem gehörigen Maß an Selbstzweifel in diese Ausbildung gegangen. Die Frage, die mich begleitet hat, war: Bin ich nach so vielen Jahren überhaupt noch in der Lage mitzuhalten? Die Antwort, die ich mir selbst geben konnte, war die wertvollste: Ja. Der gute Notendurchschnitt ist schön. Aber dieses innere Ergebnis wiegt noch schwerer.

WIFI Kärnten: Was sind Ihre nächsten Schritte?

Cornelia Toth: Im Sommer gönne ich mir zunächst bewusst eine Auszeit. Das hat man sich redlich verdient. Ab Herbst möchte ich dann aktiv in den Beruf einsteigen. Es gibt bereits erste Anfragen, und mein persönlicher Wunsch wäre es, einige Stunden in der Woche in einer Krankenhausambulanz zu arbeiten. Langfristig hoffe ich, dass meine Tochter irgendwann ihre eigene Ordination eröffnet und dass ich dann an ihrer Seite tätig sein kann. Das wäre für mich der schönste Abschluss eines langen Kreises.

Frau Toth zeigt auf beeindruckende Weise, was möglich ist, wenn Neugier, Mut und der Wille zur Weiterentwicklung zusammenkommen, unabhängig vom Alter.

Ausbildung zur Ordinationsassistenz am WIFI Kärnten

Die Ausbildung zur Ordinationsassistentin am WIFI Kärnten richtet sich an alle, die im medizinischen Umfeld Fuß fassen möchten, egal in welcher Lebensphase. Sie erwerben fundiertes Wissen unter anderem in Anatomie, Arzneimittellehre und Rezeptierkunde, sammeln wertvolle Praxiserfahrung und eröffnen sich echte Berufsperspektiven in Arztpraxen und Ambulanzen.

Informieren Sie sich jetzt über aktuelle Kurstermine und melden Sie sich an. Weil Lernen kein Ablaufdatum hat.

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